Einige Seiten des Buches Eibon

5. Juni 2009

Rezension: Die Stadt der Blinden

Gespeichert unter: Film, Rezensionen — amel @ 10:21

Ich weiß gar nicht mehr, wer mir den Film empfohlen hat. Als ich ihn jedenfalls beim letzten Gang in die DVD-Verleih-Stube meiner Wahl im Neuheitenregal sah, lieh ich ihn kurzerhand aus.

Ich glaube, der Film war mir als „abgefahren“ beschrieben worden, aber damit hatte mich niemand auf den Alptraum vorbereitet, der mich erwartete. Es geht ruhig los, als an einer dicht befahrenen Kreuzung plötzlich ein Auto stehen bleibt, weil der japanische Fahrer von einem Augenblick zum nächsten erblindet. Dem Mann, der ihn nach Hause bringt, ergeht es darauf ebenso, genau wie dem Augenarzt, zu dem der Japaner von seiner Frau gebracht wird.

Es ist eine Art Seuche. Die Regierung reagiert sofort und isoliert die Erkrankten in einer schnell eingerichteten Quarantänestation. Dort werden die Blinden eingepfercht, knapp mit Lebensmitteln versorgt und müssen ansonsten für sich selbst sorgen. Die Ehefrau des Augenarztes – hervorragend gespielt von Julianne Moore – lässt sich ebenfalls abtransportieren, obwohl sie sehen kann, um nahe bei ihrem Mann zu bleiben. Sie sieht den Dreck, der bald überall in der Station ist, kann ein wenig helfen und ist doch machtlos gegenüber den furchtbaren Zuständen, die sich bald ausbreiten. Als es dann irgendein Arschloch eine Pistole einzuschmuggeln und beginnt seine Macht-Phantasien auszuleben, geht endgültig alles den Bach herunter.

Der Film erzählt die Geschichte nüchtern und ruhig – fast schon dokumentarisch – Julianne Moore jedoch bringt das Drama zum Zuschauer. Er kann ihre Verzweiflung mitfühlen, die unglaubliche Bürde nachvollziehen, die einzige Sehende unter Blinden zu sein. Der Horror, einem Blinden mit Waffe ausgeliefert zu sein, macht die Situation schließlich auch für den Zuschauer fast unerträglich – ich habe jedenfalls ziemlich gelitten. Der Film schlägt gegen Ende noch einmal ruhigere, melancholische Töne an (wobei das nichts darüber sagt, ob er „gut“ oder „schlecht“ ausgeht; um das herauszufinden, müsst ihr ihn schon selbst gucken), was ihn noch zusätzlich abrundet.

Unweigerlich musste ich an „Das Experiment“ denken, das ja auch um Menschen in einer abgeschlossenen Umgebung geht. Ich fand, „Die Stadt der Blinden“ ist aber noch beeindruckender, denn wo beim „Experiment“ einige Zufälle nötig sind, damit sich die Situation derart zuspitzen kann, läuft hier die Handlung natürlicher ab.

„Die Stadt der Blinden“ ist ein großartiger Film – und ein Scheiß-Alptraum.

28. Mai 2009

Zombie-Wahnsinn: „Diary of the Dead“ und „Quaratine“

Gespeichert unter: Film, Rezensionen — amel @ 15:33

Als alter Zombie-Fan bin ich um die beiden jüngst auf DVD erschienen Filme natürlich nicht herumgekommen.

„Diary of the Dead“ war ja schon eine ganze Weile angekündigt. Der Film greift die Idee von „Blairwitch Project“, „Cloverville“ und „Rec“ auf und erzählt die Zombie-Apokalypse aus der Ich-Perspektive. Ein Gruppe Filmstudenten dreht gerade für ein Uniprojekt einen Mumienfilm, als in den Nachrichten von Toten berichtet wird, die aufstehen, um die Lebenden zu verspeisen. Zunächst ungläubig machen sie sich zusammen mit ihrem ständig angetrunkenen Professor dennoch nach Hause auf, um bei ihren Familien zu sein. Zwei Studenten setzen sich in die Villa der Eltern ab, die anderen setzen sich in einen Van und fahren in die Nacht.

Die Handlung ist typisch für das Genre: Leute in der Gruppe sterben und man sieht Liebende, die mit den aggressiven Leichen ihrer Freunde konfrontiert werden. Sie besuchen ein Krankenhaus, treffen auf eine Gruppe bewaffneter und aggressiver Überlebender und immer wieder müssen sie Leichen niederschießen.

Der interessanteste Aspekt des Films ist die Auseinandersetzung mit dem Medium selbst: Warum filmt einer der Studenten die ganze Zeit mit? Der philosophische Aspekt des ewigen Beobachters wird immer wieder von der Erzählerin, die am Ende all die Filmteile zusammengeschnitten und teilweise sogar mit Musik unterlegt hat, aufgegriffen und beleuchtet. Damit ist der Film der vielleicht stimmigste dieser Art; die Unlogik der dauernd angeschalteten Kamera wird umgangen. Nur leider fehlt es an Dramatik. Die Verzweiflung der Hauptpersonen kommt wenig zum Ausdruck, und die Gefahr für ihr Leben erscheint fast Nebensache zu sein. Trotz der guten Ansätze ist der Film leider enttäuschend gewesen.

„Quarantine“ hingegen hat mich an das Sofa gefesselt – und das obwohl ich den Film kannte. „Quarantine“ ist das amerikanische Remake des spanischen Films „Rec“, den ich hier schon besprochen habe. Eine Reporterin und ihr Kameramann begleiten für eine Reportage ein paar Feuerwehrleute auf einen Einsatz in eine Mehrfamilienhaus, in dem eine alte Frau hysterisch in ihrer Wohnung herumkreischt und auf Klopfen oder Klingeln nicht reagiert. Als die alte Frau einen Polizisten anfällt und schwer verletzt und dieser aus dem Haus gebracht werden soll, stellen die Insassen fes, dass sie eingeschlossen sind. Das CDC sperrt das Haus systematisch ab und bedroht jeden mit Waffen, der es verlassen will. Wie sich die Geschichte weiterentwickelt, kann man sich denken, doch das Showdown ist eines der gruseligsten, die ich seit langem sah.

Das Remake hält sich sehr stark an die Vorlage und trotzdem hat es mir besser gefallen. Vielleicht lag es daran, dass ich den Film diesmal auf dem Fernseher gesehen habe und mir die Wackelkamera wegen des kleineren Bildes nicht wieder Übelkeit verursacht hat. Vielleicht lag es auch daran, dass die Hauptdarstellerin Jennifer Carpenter war (die coole Schwester von Dexter aus der gleichnamigen Serie, deren Schnodderschnauze sehr zur Qualität der Serie beiträgt) und mit einer angenehmeren Stimme und auch wesentlich besser synchronisiert war als ihre spanische Kollegin. Jedenfalls saß ich gegen Ende gebannt auf meinem Sofa, obwohl ich teilweise genau wusste, was geschehen würde – einschließlich einiger Kameraeinstellungen. „Quarantine“ ist ein brutaler, gut gemachter Zombieschocker, wie man ihn sich wünscht.

3. Juli 2008

Schlüsselszenen von Metropolis wiederentdeckt

Gespeichert unter: Film, News — amel @ 08:47

Das Filmkunstwerk von 1927 ist wieder vollständig.

2. Juli 2008

[.REC]

Gespeichert unter: Film, Rezensionen — amel @ 03:33

… oder wie mir der schlechteste Kameramann der Welt Übelkeit bereitete.

„Rec“ ist ein spanischer Film, der auf dem Fundament gebaut ist, das „Blairwitch“ und „Cloverfield“ gelegt haben. Es gibt keine Musik, die Geschichte ist aus der filmischen Entsprechung der Ich-Perspektive erzählt, sehr viel wird im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln gehalten und die Kamera wackelt. Oh ja, und wie sie wackelt. Doch von Anfang an.

Eine junge Reporterin dreht zusammen mit einem Kameramann eine Reportage über die Feuerwehr, die an diesem Tag auch wirklich zu einem Einsatz gerufen wird, weil aus einer Wohnung, in der eine alte Frau wohnt, schreckliche Schmerzensschreie ertönten. Die Feuerwehrleute öffnen die Tür und finden die Frau im Hemdchen in ihrer Wohnung stehen. Sie ist wach, blickt die Feuerwehrleute an, ist aber nicht ansprechbar. Schließlich wirft sie sich mit lautem Schreien auf ihre Retter und verletzt einen von ihnen schwer, indem sie ihm in Hals und Wange beißt. Als die Hausbewohner einen Arzt holen wollen, müssen sie feststellen, dass sie von der Gesundheitsbehörde eingesperrt wurden und das gesamte Gebäude hermetisch abgeriegelt ist. Von da an nimmt die Zombiegeschichte ihren Lauf. (mehr…)

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