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Rezension: The Armitage Files
[Abenteuer von Robin D. Laws; Pelgrane Press, Sprache: Englisch, Softcover/PDF, 150Seiten, £ 21.95/£ 10.95 ]
Wenn man cthuloide Detektivabenteuer improvisieren will, muss man entweder ein kreatives Genie mit einem Faible für das Genre sein oder wahnsinnig viel vorbereiten – oder man kauft “The Armitage Files”, das neue Kampagnenbuch für “Trail of Cthulhu”
Detektivische Cthulhuabenteuer leben von schrägen Charakteren, geheimnisvollen Organisationen, Furcht einflößenden Büchern und einer Handlung, die es den Spielern gestattet, das Geheimnis selbstständig aufzudecken. (Ich widerstehe dem Impuls zu schreiben: “… eine Handlung, die den Spielern am Ende des Falls eine erfrischendes Aha-Erlebnis beschert.” Solche Aha-Erlebnisse werden zwar häufig angestrebt, finden in der Praxis aber fast nie statt und sie zu planen ist schier unmöglich.) Außerdem muss man den Spielern besonders zu Beginn den Grundstock für ein Rätsel präsentieren, das suggestiv ist und mehrere Möglichkeiten lässt.
Es gibt sicherlich Leute, die so etwas improvisieren können. Robin Laws, der Autor von “The Armitage Files”, könnte es vielleicht, ich könnte es jedenfalls nicht. Die Alternative ist, dass man einen Grundstock an den oben genannten Elementen vorbereitet – flexibel genug, um sie universell einzusetzen, aber mit ein paar interessanten Eigenheiten. Und man muss ein Geheimnis vorbereiten, ein Grundgerüst, das mehrere Geheimnisse suggeriert und verschiedene mögliche Anlaufpunkte für Ermittlungen liefert.
Genau das liefern die “Armitage Files”. Grundstock des Buches bilden mehrere mehrseitige Briefe in Prof. Armitages Handschrift, dem Leiter der berühmten Orne-Bibliothek in Arkham. Er kann sich allerdings nicht daran erinnern, sie verfasst zu haben. Der erste Brief ist in gekritzelter Handschrift, beschmiert mit Etwas, das wie Blut aussieht (schwarzweiß im Buch und farbig im PDF; Buchbesitzer können die farbigen Handouts kostenlos herunterladen), und berichtet vom Weltuntergang. Die Briefe enthalten viele verschiedene Ansätze für Nachforschungen und verbreiten generell eine hervorragend cthuloide Stimmung von drohendem Unheil.
Die ersten Seiten des Buches erklären, wie man es benutzt und erläutern verschiedene Tipps zum improvisierten Spielleiten. Außerdem enthält das Buch ein paar Beispiele, wie Nachforschungen ablaufen könnten.
Den Hauptteil des Bandes bilden Beschreibungen von Leuten, Büchern und Organisationen. Es werden meist mehrere Namen angegeben, damit der Spielleiter etwas Passendes heraussuchen kann und sogar mehrere Beschreibungen werden geliefert (jeweils für “gutartiges”, “bösartiges” oder “neutrales” Verhalten), sodass der Spielleiter nur auswählen muss. Sowohl die Gruppen als auch die Personen sind an Archetypen orientiert, können also jederzeit und überall eingesetzt werden, egal ob in den “Armitage Files” oder anderswo.
Mit anderen Worten, der Leser bekommt ein ganzes Buch voll mit Ideen, die übersichtlich genug dargeboten werden, dass man sie spontan im Abenteuer einsetzen kann. Die Handlung ergibt sich aus dem, was die Spieler tun und der Art wie der Spielleiter dieses Tun interpretiert. Die Anzahl an Ideen ist schier schwindelerregend.
Mit “The Armitage Files” zeigt Robin Laws wieder einmal, warum er weltweit einer der führenden Rollenspielautoren ist. Er liefert einen komplett andersartigen Ansatz für cthuloides Rollenspiel und gleichzeitig ein Quellenbuch, dass auch für andere Abenteuer benutzt werden kann. Er zeigt, dass das Cthulhu-Rollenspiel mehr ist als ein paar Hinweise, ein paar Tote und ein schleimiges Monster. “The Armitage Files” ist ein faszinierendes Buch, das ich jedem ans Herz lege, der einmal über den cthuloiden Tellerrand schauen will.
Kostenloses Cthulhu-Abenteuer
“The Boarding House at Arkham Street” ist ein kostenloses Cthulhu-Abenteuer, das man auf der Seite von Three Fourteen herunterladen kann. Die PDF-Datei hat 32 Seiten, einen schicken Hausplan und vier fertige Charaktere. Alle Werte werden nur beschreibend angegeben, sodass man jedes Regelwerk nutzen kann. Sogar das Layout ist in Ordnung, wenn auch nicht überragend.
Inwieweit die Bezeichnung “Pulp Horror Scenario” stimmt, die auf dem Cover angegeben ist, kann ich allerdings noch nicht sagen. Ich werde mir das Abenteuer aber demnächst zu Gemüte führen.
Rezension: Cthulhu Britannica
Der Vollständigkeit halber möchte ich auf meine neuste Rezi aufmerksam machen: “Cthulhu Britannica” enthält fünf Abenteuer in unterschiedlichen Zeitaltern (Gaslicht, 30er, 2x Gegenwart und die nahe Zukunft) und in unterschiedlicher Qualität. Ich mag das Buch, aber lest selbst im Rollenspiel-Almanach.
Das Grauen von den Sternen
Ein Arkham-Abenteuer wurde im frisch erschienene Band “Grauen in Arkham” vergessen. Weil die Kalkulation für das dünnere Buch gemacht wurde, wird es billiger – das ist ja auch nicht schlecht, besonders weil Pegasus so nett ist, es als Download anzubieten.
Download: Das Grauen von den Sternen
(Die Meldung geht schon überall herum, aber um meine Links zu kostenlosem Material so vollständig wie möglich zu halten, wiederhole ich sie hier.)
Robin Laws erzählt über Trail of Cthulhu und andere Texte
Im Blog Stargazer’s World ist ein großartiges Interview mit Robin Laws, dem Erfinder des Gumshoe-Detektiv-Regelwerks, Esoterrorists, Mutant City Blues und Co-Autor des Dungeon Masters Guide II für D&D 4E. Ganz besonders “gehaltvoll” sind seine Erklärungen über das Gumshoe-System (und damit zum Beispiel Trail of Cthulhu) und die Einsichten, die er über den Rollenspielmarkt durchblicken lässt. Ein wirklich tolles Interview, dass man meiner Meinung nach gelesen haben sollte.
Cthuloide Neuheiten
Ich habe gerade ein gut gefülltes Päckchen mit cthuloidem Zeugs ausgepackt, was mich in meiner spontanen Begeisterung dazu veranlasst, ein wenig über cthuloide Neuigkeiten, Ankündigungen und eine alte Sache zu schreiben.
Schon eine ganze Weile erhältlich ist “Tour de Lovecraft”, worüber ich auch schon berichtet habe. Ken Hite hat aus einer Serie von Blogposts ein Buch gemacht. Im Zuge seiner Vorbereitungen für “Trail of Cthulhu” las Hite ein weiteres Mal alle Lovecraft-Geschichten und kommentierte sie in seinem Blog. Die entstandene Artikelsammlung ist noch immer in seinem Livejournal zu bewundern (Link in meinem alten Artikel). Es ist ein großartiger Beitrag zum “Lovecraft Criticism”, den man online, ausgedruckt oder leicht erweitert eben in Buchform bekommen kann.
Dass ich mir “Cthulhu 101″ gekauft habe, ist meiner Sammelwut
zuzuschreiben, denn ich ging davon aus, dass diese kleine, niedliche Einführung in den Mythos mit den diversen Listen, wahrscheinlich nicht allzu viele Überraschungen für mich bereithält. Es stellte sich aber schon beim ersten Durchblättern heraus, dass es eine sehr humorvolle Einführung ist und Listen wie “10 Things Lovecraft Did Not Like”, “9 Suprising Encouters With The Cthulhu Mythos” oder “7 Books To Read”, aber auch Erklärungen wie “What ist the Necronomicon?” wesentlich interessanter sind, als ich dachte. Relativ günstig ist das Buch auch und bei einem Autoren wie Ken Hite (mal wieder) ist ohnehin nur Gutes zu erwarten. Wie wäre es zum Beispiel mit “14 Wrong Ways To Spell ‘Cthulhu’”?
Der Name des Buches “Arkham Detective Tales” für das Rollenspiel “Trail of Cthulhu” ist irreführend, denn die vier Abenteuer spielen augenscheinlich alle in New York City. Im Gegensatz zum großartigen “Stunning Eldritch Tales” enthält der Abenteuerband vier Abenteuer im “purist”-Stil, also weniger Pulp und mehr hirnerweichendes Grauen. Dass die New Yorker Polizei nicht völlig blind gegenüber den seltsamen Ereignissen ist, die teilweise in NYC geschehen, ist ein schöner Kontrast zum üblichen: “Oh mein Gott, hiervon darf niemals jemand etwas erfahren!”. Ich bin schon sehr gespannt.
Die zweite Neuheit für “Trail of Cthulhu” ist “Rough Magicks” von Ken Hite,
ein dünnes Heft mit großartigem Cover, dass sich, wie der Name schon andeutet, mit lovecraftscher Magie beschäftigt. Es gibt mehrere widersprüchliche Erklärungen, was Cthulhu-Magie ist, neue Regeln, neue Zauber und Hinweise, wie man Mythos-Magie ins Detektivspiel einbaut und Charaktere entsprechende Hinweise deuten können. Ich will schon lange mal ein Abenteuer schreiben, in dem ein Zauberspruch mehr ist als ein Werkzeug des Bösewichts und hoffe, dass mir der Band dabei helfen kann.
Wahrlich nicht neu, ja noch nicht einmal mehr über den normalen Buchhandel zu bekommen ist der Roman “Abwärts” von Nick Mamata. Ein Schriftsteller der 60er Jahre sieht R’lyeh aufsteigen und bereist daraufhin mit seinen Kumpels (unter anderem William S. Burroughs) Amerika, um dem Cthulhukult entgegenzutreten. Rock’nRoll, Drogen und Cthulhu. Über eine Amazonkritik zum Roman stieß ich außerdem auf “Kult” von Ljubko Deresch, ein weiteres Mythoswerk, das ich mir wahrscheinlich irgendwann einmal zulege.
Auch recht neu ist das Abenteuer “After Lovecraft: The Cold Case of Rob Suydam”. Bisher ist es nur als PDF-Datei erhältlich. Es ist kleinformatig (ich tippe auf amerik. Comic-Größe oder ca. DIN A5), hat 78 Seiten und ist das vierte Abenteuer von Super Genius Games und das erste in einer neuen Reihe. “After Lovecraft” heißt die Reihe, weil die Abenteuer nach einer Geschichte von HPL spielen und diese Geschichte sogar als Handout verwendet werden soll. “The Cold Case” spielt nach der Story “Das Grauen von Red Hook”. Die Idee finde ich interessant, aber ich bin skeptisch, was der Fortsetzungsgedanke am Spieltisch bringen soll. Das könnte daran liegen, dass keine meiner Gruppen je Leute enthielt, die große Kenner von Lovecrafts Literatur waren und deshalb dem Aufgreifen von Themen, Orten und Personen nur wenig abgewinnen könnten, aber selbst wenn ich den Wiedererkennungswert einbeziehe, kann ich nur wenig Mehrwert für das Spiel entdecken. Ich grübele noch, ob ich mir das Abenteuer kaufe oder nicht.
Noch nicht erschienen, aber der Ankündigung nach höchst interessant ist “The Armitage Files” wieder einmal für “Trail of Cthulhu”. Ein paar hübsch gestaltete Handouts mit Tagebucheinträgen des berühmten Professors der Miskatonic University schicken die Charaktere auf eine längere Kampagne. Die Geschichte soll Improvisation ins Detektivrollenspiel bringen und wird gerade spielgetestet. Eine faszinierende Idee von Autor Robin Laws.
Und wenn ich schon dabei bin, will ich auch noch kurz über die neuen Ctulhu-Veröffentlichungen aus dem Hause Pegasus berichten. Die Abenteuersammlung “Grauen in Arkham”, die den Quellenband “Arkham” begleiten soll, ist zwar für September angekündigt gewesen, aber bisher noch nicht erschienen. Ich vermute, dass wir bis zur Messe warten müssen. Acht Abenteuer in “Lovecraft Country” – man darf gespannt sein.
Wenn das “Grauen” erst zur Messe kommt und alle anderen Ankündigungen wirklich erscheinen, wird es eine wahrhaft cthuloide Messe, denn noch drei weitere Bücher sollen dort die Regalböden durchbiegen. “Cthulhu Mittelalter” wurde völlig neu geschrieben und hat nichts mehr mit dem alten Band “Cthulhu 1000 AD” zu tun. Das gesamte Mittelalter wird behandelt (nicht nur das Jahr 1000); das Buch ist dick und ein Hardcover. Ich weiß nicht, ob ich Cthulhu im Mittelalter wirklich toll finde, besonders weil ich davon ausgehe, dass das Buch eher ein Geschichtsbuch als ein Rollenspielprodukt werden wird, aber die Cthulhu-Redaktion hat mich schon häufig überrascht und kaufen werde ich es mir natürlich so oder so.
Dritter dicker Band wird “Nocturnum – Lange Schatten”, der erste von drei Teilen einer langen Cthulhu-Now-Kampagne von der Cthulhu-Chefredakteur Frank Heller schwärmt, seit er sie das erste Mal auf englisch las. Ich mag “Cthulhu Now” und da am Verkauf dieser Kampagne festgemacht wird, ob die Reihe weiterverfolgt wird oder nicht, werde ich mir auch dieses Buch natürlich zulegen. (Als ob ich dafür eine Ausrede bräuchte …)
Als letztes wäre da noch die neuste Ausgabe der “Cthuloiden Welten”, die man auch nicht vergessen darf.
Insgesamt versprechen es wirklich sehr cthuloide Wochen für mich zu werden.
Con-Bericht: Cthulhu-Con 2009
Ein weiterer Cthulhu-Con ist vergangen und wieder einmal haben eine Menge Leute ein Wochenende lang viel Spaß gehabt. Ungefähr 110 Spieler und Spielerinnen waren da, die Burg war also fast voll.
Auf der Hinfahrt wollte sich der Spaß allerdings noch nicht so recht einstellen, als ich bei sintflutartigem Regen viel später als gehofft über die Autobahn dahinschlich. Nach Kassel wurde das Wetter aber besser und es war wieder ein Erlebnis durch die engen Straßen des Spessart zu fahren, durch verwinkelte Dörfer und dunkle Wälder – bei trübem Wetter eine perfekte Einstimmung für ein Wochenende voller Grusel.
Als ich müde und mit großer Vorfreude auf ein Bier den Burghof betrat, war die Veranstaltung natürlich schon in vollem Gange. Die Anmeldung lief trotzdem problemlos. Bevor ich zu meinem Zimmer gehen konnte, rief mir Daniel vom Cthulhu-Blog über den Hof zu, dass seine Runde bereits laufen würde. Da ich im Vorfeld gebeten hatte, mitmachen zu dürfen, freute ich mich, dass er mich nicht vergessen hatte und beeilte mich, um zur Runde zu kommen, die bereits in vollem Gange war. Vorher holte ich mir aber noch ein wenig der Abendbrotreste, die zum Glück noch nicht abgeräumt worden waren.
Die Runde war ausgesprochen lustig. Wir spielten sechs Mafiosi, die sich mit einem seltsamen Mord an zwei “Kollegen” konfrontiert sehen und einem Boss (in grandioser Paten-Manier von Daniel gespielt), der das Problem schnell und zur Not auch blutig beendet haben wollte. Das Szenario stammt aus einem der Blood-Brothers-Bände und endete in einem brennenden, mit Leichen gepflasterten Hotel-Penthouse. Ein Heidenspaß, von dem ich hoffe, dass er die einzige Spielerin am Tisch, die mit diesem Macho-Blutrausch ihren Einstieg ins Rollenspiel hatte, nicht ein für alle Mal abgeschreckt hat.
Der Tag endete mit Bier im urgemütlichen Gewölbekeller und wie üblich war ich viel zu spät im Bett – so spät sogar, dass ich am nächsten Tag nicht mitbekam, wie die anderen im Zimmer aufstanden und fast das Frühstück verpennte.
Den Samstagnachmittag hielt ich mir frei, stromerte hier und da herum und unterhielt mich mit möglichst vielen verschiedenen Leuten. Einen Teil der Zeit verbrachte ich beim reich bepackten Pegasus-Stand. Das interessanteste Buch dürfte wohl die aktuelle Cthulhu-Neuerscheinung gewesen sein. “Arkham” ist ein dickes Buch mit großartigem Cover über die “Hexenstadt am Miskatonic”. In aller Ausführlichkeit wird nicht nur die Stadt, sondern auch die Miskatonic University beschrieben, letztere nimmt sogar den weit größeren Teil des Buches ein. Es liegt eine große Karte bei, eine Haus-für-Haus-Auflistung beschreibt Bewohner und verbreitet Stimmung und viel Hintergrund sorgt für ein stimmungsvolles “Erleben” der wichtigsten Ortschaft des Cthulhu-Mythos.
Obwohl ich bisher kaum ins Buch schauen konnte, kann ich trotzdem eine dicke Empfehlung für den Band aussprechen. Er ist eine Kombination aus dem beiden Chaosium-Bänden “H. P. Lovecraft’s Arkham” und “Miskatonic University”, die ich beide kenne. Gerade letzterer ist ein großer Lesespaß, der Stimmung und Information hervorragend kombiniert. Abenteuer findet man aber keine. Diese wurden ausgelagert und erscheinen im kommenden Arkham-Abenteuerband. Ob man eine Stadt- bzw. Uni-Beschreibung wie “Arkham” im Cthulhu-Spiel überhaupt benötigt, ist ein Punkt, den ich gern mal allgemein diskutieren würde, aber Cthulhu-Bücher gingen schon immer um Details und Information, und wenn sie auch noch gut dargestellt werden und eine cthuloide Stimmung unterstützen, kann man damit eigentlich nicht viel falsch machen.
Im Nebenraum war noch ein großer Stand der Runequest-Gesellschaft, an dem man nicht nur “Runequest” und “Hero Quest”, sondern auch in Deutschland teilweise schwierig zu bekommende Cthulhu-Veröffentlichungen erstehen konnte. Besonders die Monographs dürften für einige interessant gewesen sein, aber auch im Bereich “Cthulhu Fiction” konnte man günstig einkaufen. Von den Miskatonic-University-Bleistiften und “Cthulhu for President”-Ansteckern wollen wir gar nicht sprechen. Ganz nebenbei konnte man sich am Stand ganz hervorragend unterhalten.
Nach einem gemütlichen Nachmittag und leckerem Abendessen leitete ich “Girnwood Manor” aus der “Cthuloiden Welten 15″. Wie so häufig hatte meine Zeitplanung eher mit Wunschdenken als mit einem echten Plan zu tun und so mussten wir mitten im Abenteuer aufhören, als um Mitternacht das Tablequiz losging. Spaß hatten, glaube ich, trotzdem alle.
Das Tablequiz war auch wieder sehr gelungen. 24 schwierige Fragen über den Mythos, das Cthulhu-Rollenspiel und Lovecraft selbst. Ich weiß jetzt, wo der blaue Monolith steht und wie viele Seiten das aktuelle Spielleiterhandbuch hat.
Auch diese Nacht war viel zu kurz. Am Sonntag wurde müde aufgeräumt und nach einer weiteren leckeren Mahlzeit verabschiedete man sich und fuhr in alle Himmelsrichtungen davon.
Wenn das Wochenende einen Fehler hatte, dann nur den, dass es zu schnell vorbei war. Ich selbst hatte zwei sehr schöne Runden und habe auch nur von einer Runde gehört, die schlecht lief (für einen Con keine schlechte Ausbeute). Die Kulisse von Burg Rieneck ist ein wahrgewordener cthuloider Traum und Orga und Essen waren hervorragend. Nächstes Mal bin ich jedenfalls wieder dabei.
Lego-D&D-Monster
Manchmal findet man coole Sachen in der Blogosphäre. Hier zum Beispiel der Nachbau von verschiedenen Monstern mit Lego. Nach dem großartigen Cthulhu-Lego (man beachte auch die drei Links in den Kommentaren) wirken die Monsterchen zwar fast schon niedlich, aber cool sind sie nichtsdestotrotz (ein Wahnsinnswort, das wollte ich schon immer mal schreiben :-) ).
Rezension: Curse of the Yellow Sign, Teil 1
John Wick ist als Autor von “Legend of the 5 Rings” und “7th Sea” bekannt und hat sich im Laufe seiner Karriere zu einem Superstar der amerikanischen Rollenspiellandschaft (wenn es so etwas überhaupt gibt) entwickelt. Wick ist ein Name, der dafür sorgt, dass die Leute genauer hingucken. Und jetzt hat er ein Cthulhu-Abenteuer veröffentlicht, genauer gesagt, den ersten Teil einer Trilogie von Cthulhu-Abenteuern.
“Digging for a Dead God”, so der Titel des ersten Teils, ist eine kleine, fiese Geschichte mit vorgefertigten Charakteren in einem Dschungel von Afrika. Die Charaktere spielen ein paar Soldaten, die auf etwas Vergrabenes stoßen.
Das Layout des kurzen PDFs (28 Seiten mit 2x Cover, zwei leeren Seiten und viel freiem Raum um den Text) ist fantastisch, sehr stimmungsvoll mit großen gut ins Textbild eingearbeiteten Bildern. Drucker werden stark belastet, aber wenn man auf die gedruckte Version wartet, kann man dieses Problem leicht umgehen.
Ich liebe Wicks Sprache. Er erzählt nicht einfach, er schlägt dem Leser die Informationen ins Gesicht – nie neutral oder emotionslos gibt er Tipps (viele Tipps, die das Abenteuer auch dringend benötigt); nennt Gründe, aus denen er bestimmte Entscheidungen getroffen hat, oder erklärt seine Idee vom Cthulhu-Mythos. Leider scheint ihn diesmal die Rhetorik ab und zu zu verlassen, denn man versteht manchmal nicht sofort, was er meint – und obwohl ich den Schreibstil gern lese, muss ich zugeben, dass es in einigen Fällen wie Klugscheißerei klingt. Aber ich bevorzuge jederzeit Klugscheißerei gegenüber einem langweiligen Text.
Wie von Wick zu erwarten, ist es nicht einfach eine Cthulhu-Geschichte. Er greift grundlegende Themen auf und interpretiert sie auf seine spezielle Weise, beispielsweise versucht er die Wahnsinn bringende Wirkung des Mythos fassbar zu machen, trotz all ihrer Unfassbarkeit, und der Gegner der Charaktere ist eine wirklich ungewöhnliche Gestalt.
Die Geschichte – die Charaktere, der Gegner, die Situation – ist wie ein Schlag in dem Magen. Wick berührt unangenehme Themen und baut so eine emotionale Geschichte, aus der weder Spieler noch Charaktere unberührt herausgehen werden (wenn die Charaktere überhaupt herausgehen).
Aber ob ich es spielen würde? Ich fürchte, für Deutschland ist das Abenteuer nur schwerlich geeignet. Man spielt Nazis! Auch noch Nazis, die am Anfang des zweiten Weltkriegs in eine Situation gebracht werden, in der sie Böses tun und dieses erst im Nachhinein als solches empfinden werden. Leider ist es schwer bis unmöglich die Charaktere auf andere Nationalitäten oder eine andere Zeit umzuschreiben. Dann sind da die Namen der Spielerfiguren: Sie sind nach einigen der Todsünden benannt, Bernhard Begierde und Rambert Missgunst beispielsweise. Für amerikanische Ohren ist das bestimmt toll, aber für deutschsprachige Fans muss man die Namen wohl ändern (es sei denn man möchte die Andeutung auf die Persönlichkeiten, die in den Namen stecken, gern beibehalten).
Man muss selbst entscheiden, ob man bereit ist, sich an solche Themen heranzuwagen. So oder so zeigt der erste Teil von “Curse of the Yellow Sign”, wie man echten Horror ins Rollenspiel bringen kann und eröffnet ganz neue Blickwinkel auf den Mythos. Ein großartiges Heft, dass ich mir unbedingt noch gedruckt zulegen muss. Ich freue mich schon auf die nächsten beiden Teile.
- Curse of the Yellow Sign bei Indiepressrevolution.com (PDF, Druckversion folgt)
- Curse of the Yellow Sign bei Drivethrurpg.com (PDF)
Archäologe hat keinen Bock mehr auf Dämonen
Dieser Artikel in “The Onion” könnte auch von cthuloiden Ermittlern handeln. Egal ob Pulp oder Tentakelmonster aus nicht-euklidischen Dimensionen, ich habe jedenfalls laut gelacht.