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Einfach weil’s cool ist: Roll XX
Zurzeit (und höchstens noch für ein paar Stunden), gibt es die beiden Tabellensammlungen Roll XX und Roll XX: Double Damage kostenlos (normalerweise 3,99 $ und 1,99 $) zum Download.
Beide PDFs liefern Inspirationen in Tabellenform. Jede Tabelle beantwortet eine Frage. Zum Beispiel:
- Where do the sorcerers gather?
- What’s the hero’s apparently-useless power?
- Who are the starship passengers?
- What euphemism applies at this particular crime scene?
Roll XX bedient mit fast 100 Tabellen mehrere Genre von Fantasy über Superhelden bis Horror. Roll XX: Double Damage ist etwas kleiner. Es enthält “nur” 20 Tabellen, alle für das Fantasygenre, dafür sind diese immer mindestens zweigeteilt. Der Antwortsatz besteht aus zwei Teilen (je eine Tabelle) oder eine mehrfach geteilte Phrase ist die Antwort.
Mein letzter Tabellekauf war etwas enttäuschend – teuer mit wenig inspirierendem Material – aber die beiden Roll XX sind spitze. Allein die Superhelden-Tabellen lassen in mir den Wunsch aufkeimen, sofort eine Kampagne zu starten.
Auch wenn ihr die kostenlose Phase verpasst, sind die wenigen Dollar gut angelegt.
Hellfrost Spielerhandbuch Revised
Es geht also langsam los. Die Vorbestelleraktion für die Neuauflage von Hellfrost ist schon eine Weile vorbei. Das angestrebte Ziel wurde zwar nicht erreicht, doch reichen die Vorbestellungen aus, um alle drei Bücher in voller Farbenpracht und im beliebten Format DIN B5 herauszubringen.
Wer nun befürchtet hat, dass sich nichts tut und man genauso lange auf die Bücher warten muss damals auf Rippers, der scheint zu irren. Das Spielerhandbuch ist jedenfalls bereits fertiggestellt und muss nur noch gedruckt werden. Das PDF kann man schon jetzt erwerben und sich davon überzeugen, dass wirklich etwas passiert. Der Text der Weltbeschreibung auch bereits aus dem Lektorat zurück, sodass das Layout bald beginnen kann. Auch das Monsterbuch wird lt. Verlagshomepage hoffentlich noch dieses Jahr erscheinen. Klopft auf Holz …
Hellfrost ist eine recht klassische Fantasywelt, jedoch mit einem Winter-Twist. Die Welt droht vom Winter und von Winterkreaturen überrollt zu werden, was zum steten Überlebenskamfp der Bewohner führt. Das klingt zwar zunächst wenig aufregend, aber das Spielerhandbuch weiß auf subtile Weise zu beeindrucken. Viele Kleinigkeiten machen das Buch zu etwas Lesenswertem.
Zur Neuauflage ist wenig zu sagen, das ich nicht bereits gesagt hätte. Der Unterschied ist wirklich nur das Format. Das Layout ist hübsch, die Bilder toll und der Schreibstil unterhaltsam. Die Bilder wirken teilweise etwas rabiat abgeschnitten, was wahrscheinlich dem Format geschuldet ist. Ich habe das alte Spielerhandbuch aber gerade nicht für einen Vergleich zur Hand. Man kann im PDF den Hintergrund und die Bilder unabhängig voneinander ausblenden, um Druckkosten zu sparen (hier funktioniert es auch im Gegensatz zum Sunders Skies Kompendium). Das B5-Format ist außerdem sehr Tablet-freundlich. Alle weiteren Details entnehmt bitte meiner alten Rezension.
Ich freue mich sehr, dass Hellfrost trotz aller Unkenrufe noch lebt und bin gespannt auf die beiden folgenden Bücher.
Oldschool-Kampagne mit eigenem Regelsystem: Destiny Dungeon
[Rollenspiel von Alexander Schiebel; Ace of Dice, 2011, Sprache: Deutsch, Softcover/PDF, 158 Seiten, 19 €/12 €/kostenlos]
Mehr von Ace of Dice: Destiny Dungeon war die zweite Veröffentlichung des kleinen Quasi-Verlags und ein Buch, dessen kostenlose PDF-Version mich genug begeisterte, um mir sofort das Druckwerk zu bestellen.
Destiny Dungeon ist Regelwerk, Weltbeschreibung und Sandbox-Kampagne in einem – vollständig spielbar auf knapp 160 DIN-A5-Seiten. Wie schon mit Portal gelingt es, Vollständigkeit und Kürze mit haufenweise Ideen zu vereinen und so den unter Zeitknappheit leidenden Spielleiter bestmöglich zu unterstützen.
Es wird ein Spielgefühl angestrebt, wie man es aus den Rollenspielen alter Zeit kennt. Richtete sich Portal an Fans der deutschen alten Schule (sprich: DSA) zielt Destiny Dungeon auf das alte D&D mit Dungeons, Sandbox, Monstern, Stufen und Rassen als Klassen.
Destiny-Autor Alexander Schiebel benutzt als Grundlage für das System einen W66. Das sind zwei verschiedenfarbige W6, die als Zehner- und Einerstelle einer Zahl zwischen 11 und 66 gelesen werden (also z. B. 13, 43 oder 56). Dieses einfache Würfelprinzip wird bis zum Letzten ausgereitzt. So gibt es zum Beispiel optimistische Würfe, bei denen immer die kleinere Zahl die Zehnerstelle darstellt (da man bei Proben eine Zahl unterwürfeln muss, ist eine kleine Zahl von Vorteil). Pessimistische Würfe funktionieren entsprechend umgekehrt mit der größeren Zahl als Zehnerstelle. Will der SL Boni oder Mali vergeben, werden diese immer auf die Zehnerstelle angerechnet, wodurch Kleinteiligkeit vermieden wird. Zusätzlich kann aus der Probe direkt ein Erfolgswert (EW) abgelesen werden: die Zahl, die sich aus Addition der beiden W6 ergibt. Auch hier spielt Schiebel herum, denn der EW kann auch nur die kleinere der beiden Zahlen sein oder nur die größere.
Ein Beispiel: Eine Spielfigur hat einen Wert von 46 in einer Angriffsfertigkeit. Damit eine normale Probe gelingt, muss der Spieler also eine 46 oder weniger auf einem W66 würfeln. Er würfelt eine 34, die Probe ist also gelungen. Wird der Erfolgswert benötigt, wäre dieser 7 (3+4).
Das System ist toll. Es weckt den Spieltrieb in jedem guten Spielleiter und wirft sofort die Frage auf, wo man es noch überall geschickt einsetzen kann. Im Kampf z. B. ergibt sich der Schaden aus dem EW.
Die Charaktererschaffung mischt geschickt Altes mit Neuem. Zunächst wählt man einen Typus (Krieger, Elf, Magier, …) woraus sich ein paar Werte und Eigenschaften ergeben. Als Attribute dienen 16 Werte, die in einer 4×4-Tabelle angeordnet sind. Darin werden Eigenschaften (Stärke, Intelligenz, …) Bereichen (Natur, Kampf, …) gegenübergestellt. Aus der Kombination ergibt sich das Attribut: z. B.: Stärke/Kampf (Nahkampfangriff) oder Intelligenz/Natur (Kräuterkunde, Tierkunde, Orientierung, etc.).
Die Attribute werden bei der Charaktererschaffung zufällig ermittelt. Der Spieler würfelt 1W6, entnimmt einer Minitabelle den eigentlichen Wert zwischen 24 und 42 und trägt ihn irgendwo ein. Dann wird neu gewürfelt und neu eingetragen, bis alle Attribute festgelegt sind. Das ist eine schöne Kombi aus Zufall und Selbstbestimmung.
Neben den Attributen, Lebens- und Zauberpunkten hat jeder Charakter außerdem Talente. Diese reichen von d20-typischen Feats wie “sichere Hand” oder “Ausfall” bis hin zu magischen Besonderheiten und Zaubern. Man beginnt abhängig vom Typus mit zwei festgelegten Talenten und erlernt im Laufe der Karriere immer neue hinzu. Man kann sogar Talente anderer Typen erlernen, wenn man mehr dafür bezahlt.
Im Kampf gibt es Attacke, Parade, Schaden (der sich aus dem EW der Probe ergibt) und einen festen Rüstungsschutz. Es gibt wenig Besonderheiten, aber ein paar Kleinigkeiten sorgen dafür, dass sich der Kampf nicht zu lange hinziehen sollte, flexibel und spannend bleibt.
Auf S. 40 des Büchleins ist das gelungene Regelsystem bereits abgeschlossen – mit Charaktertypen, Ausrüstung, Taltenten und allem Drum und Dran. Es folgt die Beschreibung der Welt Istarea. Auf knapp 40 Seiten findet der SL alles, was er sich wünscht. Wieder sind es die vielen Kleinigkeiten, die das Kapitel so lesenswert machen. Die Welt selbst ist klassische EDO- (Elf-Dwarf-Ork) Fantasy. Es enthält beispielsweise eine übersichtliche Beschreibung der Völker, die neben den üblichen Abschnitten über Geschichte, Lebensweise, Aussehen usw. auch jeweils sechs Minibeispiele enthält. “XYZ zum Auswürfeln” heißt es dort und der Leser findet jeweils einen oder zwei Sätze, welche Persönlichkeit der SC oder NSC haben könnte. Als Beispiel sei folgender Mringaner genannt:
1. Die Mutter des Mringaners wurde von
den Elfen heimgesucht. Das beeindruckte den
Mringaner so sehr, dass er seinen „Vater“ suchen und mehr über seine Abstammung wissen will.
Sechs Gruppierungen wie beispielsweise die Silberschlangen, eine ortsübergreifende Gilde von Dieben, Hehlern und Informanten, und ein paar besondere Persönlichkeiten helfen dem SL, der Welt Leben einzuhauchen. Eigentliches Herz des Kaptitels sind aber die Siedlungen. Die verschiedenen Städte und Ortschaften werden nicht nur kurz beschrieben. In Tabellenform findet der Spielleiter Angaben, wofür der Ort berühmt ist und eine Liste mit wichtigen Plätzen. Außerdem sind jeweils drei Abenteueraufhänger angegeben – Das sind 27 teilweise sehr spannende Abenteuerideen allein ein diesem Kapitel.
Einundzwanzig Szenarien nehmen den Hauptteil des Buches ein. Auf ein bis vier Seiten findet der SL jeweils ein ortgebundenes Abenteuer. Schiebel experientiert mit den Formaten. Es gibt mit Brücken verbundene Türme, kleine Landstriche (für Mini-Hex-Crawls), eine Schlucht und Dungeons unterschiedlichster Couleur. Alles ist kurz und knapp und mit übersichtlichen Karten versehen. Zusammen mit den Anhängen, in denen neben anderem einige hervorragende Zufallstabellen zu finden sind, hat der SL alles, was er für eine vollständige und übersichtliche Sandbox benötigt.
Ähnlich wie bei den Plotpointkampagnen für Savage Worlds kombiniert das Buch fertige Abenteuer mit Zufallstabellen und einer übersichtlichen Weltbeschreibung. Verweise und Ideensammlungen, um es dem SL so einfach wie möglich zu machen, sorgen zusammen mit hoher Informationsdichte, Übersichtlichkeit und einer großen Ideenvielfalt dafür, dass sich Destiny Dungeon von ähnlichen Produkten positiv abhebt. Auch die Regeln sind schön: einfach und schnell zu lernen, aber mit genug Auswahlmöglichkeiten für Spieler und Spielleiter.
Destiny Dungeon ist ein tolles Produkt. Das Buch ist günstig, das PDF nicht ganz so. Dafür gibt es kostenlos ein niedrig auflösendes PDF. Die Auflösung reicht, um die Karten zu lesen, d. h. es spricht nichts dagegen, sich vor einem Kauf von der hohen Qualität des Buches zu überzeugen.
DS.Aventurien II kostenlos zum Download
Unser Spielleiter Swen arbeitet schon eine ganze Weile mit uns zusammen an der neuen, verbesserten Auflage von DS.Aventurien. Bei der alten Auflage gab es das Problem, dass höherstufige Charaktere sehr schnell fast alles konnten und sich Steigerungen kaum noch umsetzen ließen. Wir benutzen jetzt schon einige Zeit die Neuauflage mit Helden der 10. bis 12. Stufe und haben viel Spaß. Die Spieltests laufen ausnahmslos hervorragend.
Die Regeln wurden an der einen oder anderen Stelle entschlackt und sind nun wieder etwas näher am normalen DS. Es gibt ein neues, hübsches Layout.
Ich bin beeindruckt, was für eine Arbeit Swen in so kurzer Zeit in das System gesteckt hat. Er hat unter anderem jeden einzelnen Zauber und jede Liturgie angefasst, um sie für DS.A umzusetzen. Für einige aus unser Gruppe ist es die Rettung vor DSA4.
Portal – Oder: Es geht also doch
Vor kurzem wurde bekannt gegeben, dass Prometheus Games das Rollenspiel Destiny Beginner als Pocket-RPG veröffentlichen will. Wie alle Pocket-RPGs gibt es auch dieses als kostenlosen Download.
Destiny Beginner existiert aber schon etwas länger. Alexander Schiebel veröffentlichte es unter dem Label Ace of Dice zusammen mit weiteren interessanten Rollenspielprodukten. Auch die anderen Produkte gibt es über die Homepage von Ace of Dice als Buch oder PDF zu kaufen oder niedrigauflösend sogar kostenlos als PDF. Ein wirklich interessantes Buch ist die neuste Veröffentlichung Portal, ein “Rollenspiel alter Schule in neuem Gewand”.
Schiebel verwendet nicht umsonst den Begriff “alte Schule” anstatt des englischen “Oldschool”, denn Portal bezieht sein Spielgefühl nicht aus dem englischsprachigen Raum – sprich: D&D – sondern aus den Anfängen der deutschen Rollenspielszene. Es wird im Buch zwar nirgends erwähnt – aus gutem Grund – doch in irgendeinem Post von Schiebel steht geschrieben, was man beim Lesen bereits ahnt: Es geht um das Spielgefühl von DSA, das hier mit modernen Regeln neu erzeugt werden soll.
Und Portal ist darin sehr geschickt. Zunächst wählt der Spieler eine Rasse bzw. ein Volk aus und anschließend einen von 20 Charaktertypen. Als Rassen stehen die üblichen Zwerge und Elfen zur Auswahl, aber auch Minotauren, Orks oder Gnome. Eine kleine Tabelle erlaubt es außerden unkompliert selbst Rassen zu entwerfen. Die Klassen sind in 5 Typen mit je 4 Charakterklassen unterteilt. Es gibt Kämpfer, Glückskinder (z. B. Diebe oder Schausteller), Zauberer, Wildlinge (z. B. Waldläufer oder Nomade) und Priester.
Es gibt acht Attribute mit Werten von 3 bis 7 und 84 Fertigkeiten. Wieder sehr geschickt setzt sich der Wert, gegen den bei einer Probe gewürfelt werden muss, aus drei Fertigkeiten und einem Fertigkeitswert zusammen. Wie von DSA-Fans der ganzen Nation gewünscht, haben also 3 Attribute Einfluss auf einen Fertigkeitswert. Die Ermittlung ist einfach: die drei Attribute und ein von der Klasse abhängiger Fertigkeitswert werden addiert. Das ergibt die Zahl, die mit einem W30 unterwürftelt werden muss. Das ist kein Tippfehler: Portal arbeitet mit einem W30. Da sich die Attributswerte während des Abenteuerlebens nicht ändern, muss nicht bei jeder Stufe neu gerechnet werden.
97 Zaubersprüche stehen den zauberkundigen Klassen zur Verfügung. Es gibt Zauberpunkte (Astralenergie). Es können bei jedem Zauber unterschiedlich viele Zauberpunkte eingesetzt werden. Die Zauber selbst – besonders die nüchtern gewählten Namen wie Beschleunigung oder Blenden – unterscheiden sich recht stark von typischen DSA-Zaubern. Da die Komplexität und unüberschaubare Menge an DSA-Zaubern (3 oder 4) aber ohnehin zu groß ist, sehe ich das als Vorteil an.
Lebenkraft und Rüstungsschutz gibt es auch. Allerdings wird der Rüstungsschutz ausgewüfelt. Eine komplette Plattenrüstung hat einen Rüstungsschutz von 1W12. Wie erwartet, werden sowohl eine Attacke als auch eine Parade gewürfelt. Die Parade ist – so ist es viel einfacher und beschleunigt den Kampf außerdem – der halbe Attacke-Wert. Das ist wieder eine schöne Lösung für ein altbekanntes DSA-Problem.
All das zusammen ergibt ein modernes, einfaches und übersichtliches Fantasy-Regelsystem, das genug an DSA erinnert, um auf Aventurien benutzt zu werden. Hardcore-Fans werden sich davon nicht überzeugen lassen, denn stellenweise entfernt es sich doch recht stark von den DSA-Regeln. Andererseits hat das Buch nur 133 DIN-A5-Seiten und ist trotzdem vollständig. Für gerade mal 12,95 € (plus die Kosten für einen W30) ist es außerdem erfreulich billig.
Portal liefert den Beweis, dass es möglich ist, einen gewissen Grad an DSA-Gefühl mit einem einfachen, modernen Regelwerk zu erzeugen und sollte unbedingt von allen angeschaut werden, die sich nach Aventurien zurücksehnen, aber DSA4 aus hinreichend diskutierten Gründen nicht mögen. Ich bleibe aus Befangenheit bei DS-Aventurien als meinem Lieblings-DSA-System, würde aber jederzeit Portal spielen, sollte es sich irgendwo anbieten.
Meine Mission DSA zu verstehen
Ich muss gestehen, ich habe den Reiz von DSA nie begriffen. Ich mag die Regeln nicht und finden die Quellenbücher langweilig.
Da ich aber seit Jahren DSA spiele – meine Gruppe liebt Aventurien heiß und innig – wollte ich es begreifen. Also schrieb ich ein paar Fragen bei Google+, hörte ein paar Interviews und Podcasts zum Thema, guckte mir kurz die Ergebnisse der DSA-Umfrage an und unterhielt mich darüber mit anderen Rollenspielern.
Ich bin zu einer Art Ergebnis gekommen. Wie immer, wenn man andere kategorisiert (was bei Theorien dieser Art unumgänglich ist), werden sich viele – wenn nicht alle – auf den Schlips getreten fühlen. Es ist nicht böse gemeint – ehrlich – ich versuche nur etwas zu verstehen.
DSA steht und fällt, das zumindest denke ich, mit einem speziellen DSA-Gefühl, das die Fans wollen. Es ist eher Low-Fantasy (Galotta hin oder her) als beispielsweise die Vergessenen Reiche. Es ist weniger amerikanisch. Es ist sehr detailreich und fühlt sich wie eine lebende Welt an.
Anders als bei D&D sind bei DSA die Regeln und die Welt ganz fein miteinander verwoben. Astralenergie ist nicht nur ein Regelbestandteil sondern existiert in der Welt. Außerdem muss sich das Gefühl von “Realismus” in den Regeln wiederfinden. Wunder müssen sich auch in den Regeln anders anfühlen als Zauber und da es nun mal mehrere Eigenschaften sind, die das Können beeinflussen, muss man auch drei Attribute haben, die eine Probe beeinflussen. Zu all dem kommen noch Elemente dazu, die einfach schon immer Teil von DSA waren und zum Gefühl dazugehören: ein Schwert, das 1W+4 Schaden verusacht; Rüstungsschutz, der vom Schaden abgezogen wird; die archaisch/anglizistisch benannte Attacke und eine aktive, davon getrennte Parade.
Zusammengefasst: Aventurien muss sich wie eine lebende, atmende Welt anfühlen (eine ganz bestimmte lebende, atmende Welt, die die Spieler seit Jahre kennen) und dieses Gefühl muss sich in den Regeln wiederfinden.
Deshalb sind auch die Quellenbücher wie sie sind. Es kommt gar nicht darauf an, dass der SL die ganzen Details liest, es ist für das Gefühl wichtig, das sie irgendwo stehen. Man könnte sie nachschlagen, wenn man sie benötigt. Ein ganzes Buch mit Pflanzen – Nutzpflanzen, hübsche Blumen, alchemistische Zutaten, ein paar Heilkräuter und eine handvoll coole Sonderkräuter – jeweils mit Bild und Beschreibung: ich behaupte, kein Mensch hat das gelesen. Aber es ist da und man könnte Pflanzen nachschlagen. (Bevor jemand meckert, wie bescheuert das ist: Nein, ist es nicht. Das Drumherum gehört zum Spielerlebnis dazu.)
Deshalb sind auch die Regeln so komplex und kleinteilig.
So viel zu meiner Theorie (die blanke Theorie bleiben wird).
Es geht also alles, um das Gefühl und da das nun mal bei jedem anders ist, werden sich die DSA-Fans auch nicht einig, was denn nun zu einem DSA-Regelwerk zwingend gehört und was nicht. Deswegen meine ich auch, dass eine Entwicklung von DSA5 eine Sisyphusarbeit wäre.
Und deshalb bin ich der Meinung, dass die erfolgversprechendste Methode, Ex-DSA-Fans wieder ins Boot zu holen, wäre, ihnen zwei Regelwerke anzubieten.
750 Seiten kostenlose Spielleitertipps
In den letzten Wochen sind insgesamt drei Bücher aufgetaucht, die sich mit dem “Wie” des Spielleitens beschäftigen. Über “Gamemastering” wurde schon viel geschrieben. Ein weiteres richtet sich komplett an Neulinge. Zusammen sind das fast 750 Seiten mit kostenlosen Spielleitertipps.
Warum müsste ein DSA5 die alten Regeln eigentlich ersetzen?
Wenn es um DSA geht, schlagen die Gemüter hoch. Viele schreien nach Veränderungen, alte Fans laufen weg. Treue Fans verteidigen “ihr” DSA bis aufs Blut.
Nun könnte Ulisses das als Geschmackssache abtun und sich den wichtigen Dingen zuwenden, nämlich der Zufriedenstellung der normalen, leisen Fans, die DSA mögen wie es ist und gern neue Bücher kaufen, ohne sofort ins Internet zu gehen und mit Kritik um sich zu werfen, als bekämen sie Geld dafür. Aber, wie wir alle wissen, machen es die aktuellen Regeln durch ihre Komplexität nicht gerade leicht, in DSA einzusteigen. (Aventurien selbst will ich außen vor lassen, das ist wie es ist und kann kaum noch geändert werden.) Nachwuchs ist ohnehin Mangelware und wenn es ihm auch noch zusätzlich schwer gemacht wird, ist das einfach nicht gut.
Das ist natürlich nichts Neues und aus der vor einiger Zeit durchgeführten Umfrage schließe ich, dass auch Ulisses über ein DSA5 (oder 4.5) nachdenkt. Wie ich die treuen DSA-Fans einschätze, würde aber fast jede Regelvereinfachung einige von ihnen verärgern. Es würde das spezielle DSA-Gefühl verändern, die starke Verquickung von Regeln und Welt – beides sehr detailliert und beides darauf ausgelegt, dass sich ein Spiel in Aventurien genauso anfühlt, wie es das zurzeit tut. DSA5 wäre ein uneinschätzbares Risiko für den Verlag.
Aber muss ein neues Regelsystem zwangsläufig ein Ersatz für das alte sein?
M20 liefert ein funktionierendes Beispiel, wie es anders gehen könnte. Es sind Regeln für D&D/Pathfinder, die auf das Wesentliche gekürzt wurden. Das Besondere ist, dass die Abenteuer und Quellenbücher für D&D/Pathfinder ohne jede Konvertierung benutzt werden können. Der Spielleiter muss nur einige Informationen aus den Wertekästen weglassen und kann mit dem Rest ein tolles, flexibles Spiel machen. Außerdem kann er auf die ganzen Listen – Zauber, Feats, magische Gegenstände, sogar Regeldetails – von d20 zurückgreifen und sich bedienen – immer noch ohne irgendetwas konvertieren zu müssen.
So etwas müsste doch auch für DSA möglich sein. Ein Regelwerk – vielleicht grob angelehnt an DSA3 mit einigen Modernisierungen -, das in ein Buch passt, einfach, flexibel und schnell zu erlernen ist.
Es dürfte nichts Halbgares sein, kein Regelwerk, das dem Leser das Gefühl vermittelt, den Kindereinstieg in den Händen zu halten, damit er später zum “richtigen” DSA wechseln kann (wie das DSA-Basisbuch). Es müsste gut getestet sein und Möglichkeiten zu taktischem Vorgehen liefern und trotzdem Raum zur Interpretation liefern. Es müsste weniger buchhalterisch sein. Sprich: mehr Spiel, weniger Simulation
Das kürzlich erschienene PORTAL beweist, das so etwas möglich ist. Auch DS-Aventurien und Savage Worlds könnten Ideen liefern, ebenso das kommende DnD Next oder M20 selbst. Ich persönlich würde die Sonderfertigkeiten, Vor- und Nachteile und die Ausdauer streichen, Proben mit 1W20 würfeln lassen und Wunder und Magie vereinheitlichen. RS, Astral- und Karmaenergie, die 7 Attribute, AT/PA, 1W+4 Schwertschaden und eine handvoll andere Dinge müssten erhalten bleiben, um das DSA-Gefühl zu erzeugen. Ein Klassensystem könnte ein paar Sonderfertigkeiten über die Hintertür wieder einführen. Das Kampfsystem könnte einige Kampfsonderfertigkeiten in für alle Klassen gültige allgemeine Kampfregeln überführen (Entwaffnen, Wuchtschlag, etc.). Die Zauber und Wunder könnten kürzer und mit mehr Raum zur Interpretation beschrieben werden und alle erhalten bleiben. Am Ende könnte am Beispiel gezeigt werden, welche Werte von einem DSA4-Wertekasten benötigt und welche ignoriert werden können.
Ein solches Regelwerk – ein Buch: überschaubar, flexibel, weniger simulatorisch (!) und vor allem vollständig – würde es Ex-Fans und Neulingen erlauben, (wieder) in DSA einzusteigen. Es wäre ein zusätzliches Buch – kein Ersatz, kein DSA5 – und alle Quellenbücher, Abenteuer und sogar neue Regelwerke für DSA4.1 könnten normal weiter produziert und genutzt werden. Es könnte Teile der gespaltenen DSA-Fangemeinschaft wieder auf Aventurien zusammenbringen.
Vielleicht finden sich irgendwann ein paar Fans, die so etwas entwickeln, ohne sich in Details zu verstricken. Damit es sich etabliert, müsste es allerdings Ulisses selbst entwickeln.
Nachtrag (03.05.13): Da es in diesem Punkt offenbar Verwirrung gibt, möchte ich klarstellen, dass es nicht darum geht, DSA4.1 einzudampfen. Ich meine ein separates Spiel, separat entwickelt, das nur die gleichen Begrifflichkeiten und Größenordnungen benutzt. Meiner Vorstellung nach würde beispielsweise ein angepasstes DSA3 funktionieren.
1PDC 2013 – 68 Abenteuer zum Download
Der One-Page Dungeon Contest 2013 hat seine Deadline erreicht. Bis die 68 Einsendungen ausgewertet sind, dauert es bestimmt noch eine Weile, aber bis dahin kann man sie bereits jetzt anschauen.
Das sind 68 Abenteuer auf je einer Seite frei zum Download.
Ich werde vermutlich wieder mal nur die Gewinner durchlesen, aber dennoch ist es immer wieder sehr erhellend, was man auf einer Seite so machen kann.
amel.tk läuft aus
Die Domain amel.tk war ja eigentlich ziemlich cool. Ich kriege auch einige Hits über sie. Andererseits kostet sie Geld, und mein Blog hat nicht den Anspruch, eine möglichst große Reichweite zu erreichen. Ich werde amel.tk also auslaufen lassen.
Bitte aktualisiert eure Bookmarks auf bucheibon.wordpress.com.
Danke!
Mal gucken, wie groß die Auswirkungen auf den Traffic schlussendlich sind.