[Rezension] Pathfinder – Almanach des Fesselarchipels

Almanach des Fesselarchipels[Quellenbuch von Mike Shel, Ulisses Spiele, Sprache: Deutsch, DIN-A4-Heft, 64 Seiten, 17,95 €]

Der „Almanach des Fesselarchipels“ gehört zur Reihe der Spielleiterprodukte für das Pathfinder-Rollenspiel. Das dünne, vollfarbige Heft beschreibt die Inseln des Fesselarchipels der Pathfinder-Welt Golarion, wo sich ganze Heere von Piraten in Städten und Dörfern verschanzen. Es gibt eine Menge Inseln und so auch viel zu entdecken.

Grafik und Layout sind von Pathfinder hinreichend bekannt und der vorliegende Almanach fügt sich dort nahtlos ein. Das Cover bringt Zombies und Piraten auf ein Bild. Das ist an sich schon löblich und sieht in diesem Fall auch noch gut aus. Die Innengestaltung ist vollfarbig und übersichtlich, mit vielen Bildern im altbekannten Stil. Die neuen Monster erhalten wie üblich ebenfalls je eine Abbildung. Die Monsterbilder sind vielleicht das Beste an Pathfinder. Es sind Bilder, die man gern den Spielern zeigen möchte, bevor das jeweilige Monster ihren Charakteren das Leben aus dem Leib prügelt. Besonders der Korallengolem hat es mir angetan.

Der Text des „Almanachs“ konzentriert sich auf das Wesentliche. Er bietet blanke Informationen im Lexikonstil ohne viel Blabla. Auf eine Seite Einleitung folgen direkt die Beschreibungen der Inseln. Jeder Insel ist eine Einzel- oder Doppelseite gewidmet, die einen kurzen Überblick und eine Auflistung der wichtigsten Örtlichkeiten – je mit knapper Beschreibung – enthält. Anschließen folgt das Kapitel „Gefahren der Fesselinseln“. Neben einigen Tabellen mit Zufallsbegegnungen gibt es dort Gegnerbeschreibungen. Die Auswahl reicht von Piraten unterschiedlicher Couleur über Seeschlangen bis hin zum Luska, einem riesigen Monstrum halb Oktopus halb dreiköpfiger Hai. Der bereits erwähnte Korallengolem ist dort ebenfalls zu finden.

Es ist nicht leicht die dargebotene Information zu beurteilen. Einerseits ist sie abwechslungsreich und bietet viele Ideen. Die Haiinsel stellt beispielsweise so etwas wie die Slums der Inseln dar. Die ehemals reiche Insel wird schon lange Zeit von Sahuagin, Haimenschen, bedrängt, und die ständigen Kämpfe zehren am Wohlstand. Auch ist es schön, nur die konzentrierten Informationen ohne Geschwafel zu erhalten. Andererseits hat die lexikonartige Aufmachung auch Nachteile, besonders wenn es sich wie hier um eine Beschreibung von mehr oder weniger unabhängigen Inseln handelt. Den vielen kleinen Infobrocken fehlt es etwas an Zusammenhang und deshalb gelingt es dem „Almanach“ nur recht schlecht, einen Gesamtüberblick zu liefern.

Auch der Schreibstil ist etwas eigenartig. Die Sprache „fließt“ nicht richtig, sodass die Gedanken leicht abschweifen, während man sich durch die inhaltsdichten Sätze wühlt. Ob das am Originaltext oder der Übersetzung liegt, ist schwer zu sagen.

Als letzter Kritikpunkt muss das Kartenwerk genannt werden, das etwas zu grob ausfällt. Das gesamte Archipel wird auf einer einzigen DIN-A4-Karte auf der Umschlaginnenseite dargestellt. Es gibt keine Detailausschnitte und keine größere Übersichtskarte. Es sind nur die wichtigsten Orte eingezeichnet, sodass viele Örtlichkeiten beschrieben werden, die man nicht auf der Karte wiederfindet.

Das ist eine Menge Kritik und trotzdem ist der Band kein Reinfall. Er liefert eine Menge toller, abwechslungsreicher Ideen und Informationen, die den Spielleiter zu den verschiedensten Abenteuern inspirieren können. Es macht Spaß darin herumzulesen, trotz der geschwurbelten Sprache. Spätestens das lange Monsterkapitel kann begeistern.

Fazit: Der „Almanach des Fesselarchipels“ ist eine inhaltsschwere Ergänzung zur Pathfinderwelt Golarion und dem Abenteuerpfad „Unter Piraten“. Er liefert massenweise Informationen im Lexikonstil, muss sich aber auch einige Kritik gefallen lassen wie eine zu grobe Karte und eine wenig eingängige Sprache. Das Monsterkapitel ist toll. Auch wenn es als reines Lesevergnügen weniger zu empfehlen ist, sollte jeder, der Interesse am Thema hat – ein Archipel voller Piraten – eine Menge Nutzen aus dem Heft ziehen können.

[Erschienen bei Ringbote.de]

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