Sind Superhelden-Abenteuer genau wie Pulp?

Im letzten Post und bei Google+ stellte ich die Frage, wie man Superhelden-Abenteuer von Fantasy-Abenteuern unterscheidet.  Auch ich habe mir dazu meine Gedanken gemacht.

In Rollenspiel-tauglichen Superheldengeschichten geht es um Heldentaten. Ich bin der Meinung, dass Golden-Age-Geschichten am besten ins Rollenspiel passen, sobald wir nämlich die späteren “Zeitalter” der Superhelden-Comic-Geschichte einbeziehen, der immer mehr Charakterentwicklung einbringt, kommen wir in den Bereich, den Vampire versuchte abzudecken – und der in vielen Gruppen nur mäßig gut funktioniert. Um es gleich vorweg zu nehmen: Natürlich gibt es Spiele (und Spielgruppen), die diesen Bereich erfolgreich bearbeiten, besonders im Indie-Bereich, aber im “normalen” Spiel sind persönliche Dramen nicht sehr verbreitet. Häufig verlassen wir damit auch das eigentliche Genre und betreten ein anderes: Soap Opera, Kriegsgeschichten o. a.

Wenn ich mir die Eigenschaften der Golden-Age-Geschichten ansehe, stoße ich auf Dinge wie eine klare Trennung zwischen Schwarz und Weiß, übermenschliche Heldentaten (genau darum geht es ja), Todesfallen, kichernde Bösewichte, viel Action, coole Sprüche und “Iconic Heroes”, wie sie Robin Laws nennen würde, also Helden, die ihre Umgebung verändern und nicht umgekehrt. Das sind genau die gleichen Merkmale, die auch Pulpgeschichten haben. Da Superhelden-Comics und Pulp die gleichen Wurzeln haben und ineinander übergehen, ist das nicht verwunderlich. Anders sind eigentlich nur die Art der Kostüme.

Eventuell reicht das schon als Unterscheidung zu Fantasy. Haben die Hauptfiguren (SC und Bösewichte) Superkräfte, Kostüme und geheime Identitäten (die natürlich ab und zu in Gefahr geraten müssen) und bewegen sich ansonsten in einer “normalen” Pulp-Geschichte, ist die Superheldengeschichte eigentlich schon fertig.

Eine andere Überlegung führte mich zu den Kräften selbst, die ja der eigentliche Unterschied zu anderen Geschichten sind. Es sah eine zeitlang so aus, als würde ich eine Plot-Point-Kampagne für Savage Worlds über Superhelden schreiben (das Projekt ist bis auf Weiteres eingestellt). Dort wollte ich mich auf die Kräfte konzentrieren, ihre Entdeckung und die Weltveränderung, die damit einhergeht. Im ersten Teil der Kampagne sollten die SC die Kräfte entdecken und erforschen und im zweiten Teil sollte etwas geschehen, das die Kräfte verändert und gegen die Menschen richtet (außer bei den SC), sodass sie nun erneut erforscht und vor allem bekämpft werden müssen. Es wäre eine Superhelden-Horror-Kampagne geworden.

Mit Mystery Men! würde ich den ersten Ansatz wählen, der passt gut zum Old-School-Gedanken. Bei SW oder ähnlichen System würde ich den zweiten wählen.

Was meint ihr?

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Veröffentlicht am 23. Februar 2012 in Abenteuer, Meinung und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Nichts mit “spätere Zeitalter”: persönliche Dramen sind hauptsächlich im sog. “Silver Age” präsent. Danach verlagert sich der Fokus in eine deutlich andere Richtung (gesellschaftliche statt persönliche Probleme im “Bronze Age” bzw. Aufhebung der klaren Gut/Böse-Schranken im “Modern Age”). Dass die Silver-Mentalität so bekannt ist, liegt hauptsächlich an der Anzahl der neuen Superhelden, welche in dieser Zeit entstanden (sowie an den Filmemachern, denn die “Soap”-Stories sind nunmal am einfachsten für die große Leinwand zu adaptieren).

    Ganz unproblematisch ist das Golden Age für eine “normale” Gruppe übrigens auch nicht: das enge Gut/Böse-Korsett dieser Geschichten empfinden viele Spieler ähnlich einschränkend, wie die Silver Age-Vorgabe dass der Held leiden muss. Die meisten Spieler spielen ihre Charaktere doch etwas differenzierter und wollen nicht gleich als “Villain” abgestempelt werden, nur weil sie *einmal* die pragmatische Entscheidung treffen.

    Besser ist man da mit dem Modern Age bedient, da dieses zugänglicher für eher nicht Superhero-affine Spieler ist (es muss deswegen ja nicht gleich so düster wie bei Frank Miller oder Alan Moore werden).

  2. Da glänzte ich also mit Comic-Halbwissen …

    Modern Age scheint wirklich am besten zu gehen. Das Problem mit dem Gut-Böse-Korsett, dass du für das Golden Age ansprichst, sehe ich allerdings nicht bzw. nur dann, wenn man die Spielumsetzung zu ernst nimmt. Im Pulp gibt es auch eine klare Gut-Böse-Trennung und da fühlt sich keiner eingeschränkt.

    Aber ansonsten danke für die Hinweise, sie helfen mir weiter.

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