Einige Seiten des Buches Eibon

21. Dezember 2008

MnM-Download – Tomb of the Bull King

Gespeichert unter: freie Rollenspiele — amel @ 15:33

Soeben entdeckte ich einen neuen Download für das großartige Pseudo-Retro-Rollenspiel „Mazes & Minotaurs“: „Tomb of the Bull King“ ist ein Mega-Dungeon für Charaktere der Stufe 3 aufwärts. Die PDF-Datei ist wie immer mit passenden Public-Domain-Bildern verschönert und massige 211 Seiten lang.

Bisher habe ich nur einen kurzen Blick hineingeworfen, aber es scheint, als wäre die hohe Qualität gehalten worden.

Zur Erinnerung: MnM ist ein Rollenspiel, das auf eine Frage hin konzipiert wurde. Die Frage lautet: Wie sähe das erste Rollenspiel der Welt aus, wenn es nicht auf Tolkienscher Fantasy, sondern auf griechischer Mythologie basieren würde. Das Ergebnis ist MnM, ein Rollenspiel mit Retro-Regeln, Minotauren, mythischen Helden und Gorgonen.

20. Dezember 2008

Arend Godbersen: Aus meinem dunklen Herzen

Gespeichert unter: Literatur — amel @ 10:31

Anmerkung an die RSP-Blogger: Sorry, Leute. Dies ist ein nicht-Geek-Post. Morgen habe ich wieder was Geekiges auf Lager, versprochen.

Neulich drückte mir ein guter Freund ein kleines Büchlein in die Hand und bat mich, es auf meinem Blog zu rezensieren. Ein Kumpel von ihm hatte es geschrieben und im Eigenverlag herausgebracht. Es war eingeschweißt, ich nahm es also erstmal mit. Es ist wirklich klein: gerade mal 50 Seiten dick. Es hat ein dunkles, fast schwarzes Cover mit einem 3D-gerenderten Mann auf einem weißen Holzstuhl.

Zu Hause öffnete ich das Buch. Es waren Gedichte. Gedichte! Wie viele andere Menschen, habe auch ich ein paar Bücher mit Gedichten im Schrank stehen, aber das sind Klassiker, von denen ich weiß, dass sie allgemein für gut befunden werden: Poe, S. T. Elliot oder Stan Rice. Da weiß ich, dass ich gefälligst entsprechend beeindruckt sein muss. Wenn ich aber einen Gedichtband nach Güte beurteilen soll, habe ich keine Chance. Man könnte mir großartige Poesie vorsetzen, und ich würde es nicht erkennen.

Dennoch las ich das Buch. Es sind sehr dunkle, traurige Gedichte. Kurze, depressive Seelenbeschreibungen. Es ist viel Mut nötig, um ein solches Buch zu veröffentichen, denn damit gibt der Autor mehr über sich Preis, als das viele Menschen gern tun würden. Ich habe keine Ahnung, ob es gut ist, aber die Gedichte sind sehr emotional, und ist es nicht die Aufgabe von Poesie emotional zu sein?

Man kann das Buch z. B. über Amazon bestellen und dort sogar einen Blick hinein werfen und sich zwei Beispiele ansehen. Wenn man gern traurige Gedichte liest, sollte man einen Blick riskieren.

19. Dezember 2008

2008-Coolness

Gespeichert unter: News — amel @ 03:33

Auf diversen Rollenspiel-Blogs (hier zum Beispiel, aber auch anderswo) philosophieren Schreiberlinge darüber, was ihnen 2008 besonders gefallen hat. Hier ist meine persönliche Liste der acht coolsten Dinge im Jahr 2008.

Ankündigung von Savage Worlds auf Deutsch:

Wenn ich darüber nachdenke, was man außer Cthulhu spielen könnte, lande ich fast immer bei SW. Die Kampagnenbücher sind ausnahmslos großartig, immer ungewöhnlich und vor allem mit wenig Aufwand vorzubereiten. Die Regeln sind schnell und einfach. Aber meine sehr unregelmäßige SW-Gruppe mag kein Englisch. Es war mir eine große Freude, als ich gefragt wurde, ob ich zur Übersetzung meinen Senf dazu geben will, denn das Spiel liegt mir wirklich am Herzen.

Fertigstellung von „Die Kirche der Wiedererweckung“:

Für das sehr coole Cthulhu-Now-Quellenbuch „Verschlusssache“ habe ich neben dem Spielleiterkapitel ein Soloabenteuer verfasst. Es war mein erstes Solo und obwohl die Arbeit daran viel Spaß gemacht hat, war sie für mich die mit Abstand fordernste bisher. Aber ich habe es beendet und sogar zur vollen Zufriedenheit des Redakteurs. Das Abenteuer ist schön geworden und ich freue mich auf das Buch.

Die deutsche Rollenspiel-Verlags-Szene:

Selbst wenn Rollenspiel schon häufig für tot erklärt wurde, in Deutschland blüht die Szene. Diverse kleine Verlage haben 2008 schöne Produkte veröffentlich (Ratten!, Opus Anima, Heredium, Quellenbücher für Arcane Codex, Postmoderne Magie für Unknown Armies, …), Shadowrun ist bei Pegasus, DSA läuft munter weiter und für Cthulhu kommen regelmäßig hervorragende Produkte. Es könnte geldlich bestimmt besser laufen, aber tot ist hier gar nichts.

Old-School-Bewegung:

Swords and Wizardry ist erschienen, Osric2 auch. Labyrinth Lord wird ins Deutsche übersetzt. Nostalgie ist was Tolles.

M20:

Endlich kann ich so großartige Spiele wie XCrawl mit einfachen Regeln spielen, ohne die Abenteuer konvertieren zu müssen.

Die Zusammenarbeit mit Dominik:

Wir haben unser Ziel erreicht, sechs Kurzschocker im Jahr 2008 herauszubringen. Dominik ist ein netter Kerl, begeisterungsfähig und unkompliziert – mehr kann man sich nicht wünschen. Ich hoffe, wir können die Zusammenarbeit 2009 weiter ausbauen und vielleicht sogar auf andere Gebiete lenken. Danke, Dominik!

Wolfsburger Rollenspiel-DinG:

Immerhin 11-mal letztes Jahr trafen sich coole Leute zum Rollenspielen in einem privat organisierten Mini-Con. Ich war nur einmal da, aber es hat Spaß gemacht.

Das Buch „Spielleiten“:

Dominic Wäsch hat ein ganzes Buch nur über das Spielleiten geschrieben. Er gibt nicht nur einen hervorragenden Überblick und bietet gut lesbare Anleitungen, er nutzt auch die vielen Anregungen aus der Indie-Szene für Spielleitertipps für den Mainstream.

16. Dezember 2008

Perry Rhodan für Einsteiger

Gespeichert unter: freie Rollenspiele — amel @ 03:33

Offiziell heißt das Heft „Perry Rhodan – Der Einstieg ins Rollenspiel“. Ich hatte es mir auf der diesjährigen „Spiel“ mitgenommen, aber seit gestern steht es zum Download auf der Homepage vom Perry-Rhodan-Rollenspiel. Was Einsteigerheftchen angeht, ist es nahezu perfekt: hübsch, nett zu lesen, 6 fertige Charaktere zum einfachen Ausdrucken (je zwei auf einer Seite in Tabellenform, d. h. kein Gestückel beim Ausschneiden), Abenteuer und sogar ein netter 3-D-Plan von einem Beiboot.

Das Spiel selbst trifft weniger meinen Geschmack. Die Midgard-Regeln, die ja auch für Perry Rhodan benutzt werden, sind mir zu alt und klobig, aber nicht alt genug, um meine Nostalgie-Nerven zu kitzeln. Und getrennte Fertigkeiten für Nasepopeln rechts und Nasepopeln links? Das trifft einfach nicht meine Vorstellung von einem guten Rollenspielsystem. Aber die Kurzregeln geben einen hervorragenden Eindruck, es kann sich also jeder selbst ein Bild machen. Den Stern für „gefallen mir gut“ in meiner Liste mit Schnellstartregeln haben sie jedenfalls verdient.

14. Dezember 2008

Rezension: Ian McEwan – Saturday

Gespeichert unter: Literatur, Rezensionen — amel @ 17:11

Als reiner Genre-Leser ist man eigentlich eine arme Sau. Natürlich gibt es großartige Geschichten in der Sci-Fi, Fantasy oder Horror. Schätzchen wie Gaimans „Stardust“, Ligottis Kurzgeschichten oder Peakes „Gormanghast“ und wahrscheinlich Hunderte von anderen Beispielen bereichern die Literaturlandschaft gewaltig. Aber lohnt es sich nicht vielleicht trotzdem, ab und zu den fantastischen Bereich zu verlassen?

Selbst als Genre-Leser stößt man auf Geschichten außerhalb des Geek-Königreichs, die einen begeistern. Vielleicht liest man McCarthys „Die Straße“ und stellt fest, dass es gar nicht um das kaputte Amerika geht, sondern um einen Vater und seinen Sohn, oder man stößt in einer Geschichtensammlung von Bradbury auf „Machineries of Joy“, wo sich zwei Mönche um die kommende Mondlandung und ihren Einfluss auf die Religion streiten, und bemerkt, dass diese Story diejenige ist, die von allen im Buch am längsten im Kopf bleibt. Oder man bekommt von seinem Vater ein Hörbuch mit den Worten „Hör dir das mal an und sag mir, was du davon hältst“ in die Hand gedrückt.

So kam ich zu „Saturday“. Ich war ein wenig skeptisch. Die Diogenes-Cover sehen ja nicht gerade spektakulär aus und der Inhalt klang so lala. Aber ich hatte gerade nichts anderes und schob bald die erste CD in mein Autoradio.

Der erfolgreiche Neurochirurg Henry Perowne erwacht an einem Samstag im Jahr 2003 viel zu früh am Morgen, geht in die Küche und sieht ein brennendes Flugzeug über London, das schnell aus seiner Sicht verschwindet. Ein Terror-Anschlag? War es eine Passagiermaschine? Der Vorfall bringt Perownes Gedankenmaschine in Gang, und er reflektiert über sein Leben, seine Familie, seine Arbeit. Alles scheint so perfekt zu sein. Ein harmloser Autounfall bringt schließlich Dinge in Gang, die ihn und seine Familie nachhaltig beeinflussen.

McEwan zeichnet in detaillierten Betrachtungen das Bild einer Familie, in die der Terror eindringt, so wie das Flugzeug vielleicht ein Vorbote für Terror inmitten von London ist. Er schreibt nüchtern und doch anschaulich, sogar die vielen medizischen Details von Operationen, über die Perowne nachdenkt, sind irgendwie spannend.

Auch wenn man viel über die Bedeutung der Geschichte und ob McEwan etwas aussagen oder nur das Portrait einer Situation erschaffen wollte, philosophieren kann, ist es am Ende eine Familiengeschichte. Es ist keine Terror-Geschichte, ja noch nicht einmal ein Thriller. Aber es ist eine faszinierende und spannende Geschichte. Und wenn der großartig lesende Jan Josef Liefers schließlich fertig ist, bleibt sie noch lange im Kopf.

Ich werde sicher noch lange Genre-Leser bleiben, doch es gibt eine Menge ausgezeichnete Geschichten, für die es sich lohnt den Mainstream zu beobachten. Eigentlich sollte diese Erkenntnis eine Selbstverständlichkeit sein, doch als Geek muss man sie sich einfach ab und zu ins Gedächtnis rufen.

12. Dezember 2008

Dark Adventure Radio Theatre

Gespeichert unter: Cthulhu, Rezensionen — amel @ 15:33

The Shadow over InnsmouthAuf der Homepage der „H. P. Lovecraft Historical Society“ ist zu erfahren, dass diesen Monat ihr neustes Hörspiel, „The Shadow Over Innsmouth“, erschienen ist. Im Stile alter Radio-Hörspiele wie „War of the World“ werden in der Reihe „Dark Adventure Radio Theatre“ die berühmtesten Lovecraft-Geschichten umgesetzt, wie sie vielleicht zu HPLs Lebzeiten hätten aussehen können. „The Shadow Over Innsmouth“ ist bereits das vierte Hörspiel und kann wie die anderen entweder als MP3-Datei oder auf CD gekauft werden. Letztere kommt mit einigen netten Handouts wie einem Zeitungsausschnitt, einer Streichholzschachtel und der auf das Lebensmittelpapier gezeichneten Karte von Innsmouth (letztere sogar mit Geruchseffekt, wenn man daran kratzt – kaum zu glauben). Für jeden Lovecraft-Fan, der der englischen Sprache mächtig ist, sind diese CDs ein echter Pflichtkauf.

Da ich mir vor kurzem die drei Vorgänger angehört habe, möchte ich hier ein paar Worte dazu verlieren.

„The Dunwich Horror“ war mein erster Kontakt mit dem Hörspielen. Die Geschichte wird kurzweilig und spannend erzählt. Nach einem großartigen Vorspann – „Dark Adventure Radion Theatre presents …“ in düsterer, hallender Stimme – und einem authentisch wirkenden Werbespot für Zigaretten hören wir die Dorfbewohner, wie sie über die Whateleys tratschen und erleben einige der seltsamen Vorkommnisse im Ort. Wenn sich Armitage einschaltet, wird die Geschichte zu einem klassischen Cthulhu-Abenteuer mit Beschwörung und allem Drum und Dran. Die Sprecher sind gut; der Sound unterstützt die angestrebte Stimmung. Deutsche und andere nicht-englisch-sprachigen Fans können das Drehbuch auf der Homepage zum Sammeln oder Mitlesen herunterladen, wobei ich aber keine Probleme hatte der Geschichte auch ohne zu folgen. Ein wirklich schönes Hörspiel.

War „Dunwich“ schon gelungen, hat mich „The Shadow Out of Time“ regelrecht umgehauen. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass die Story so gut und so spannend in ein Hörspiel umgesetzt werden kann. Die schauspielerischen Leistungen sind hervorragend, soweit ich das als nicht-“Native Speaker“ beurteilen kann und das Geschrei, das sich beim Höhepunkt der Geschichte in die Ohren des Hörers schneidet, treibt einem einen echten Schauer über den Rücken. Hierfür ist noch kein Drehbuch online, ich habe es aber auch nicht vermisst.

„At the Mountains of Madness“ ist bestimmt ein großartiges Hörspiel, leider habe ich kein Wort davon verstanden. Die Geschichte ist aufgemacht wie eine Radioreportage über die Antarktis-Expedition, die mitten in den Bergen des Wahnsinns auf  … irgendetwas Gruseliges stoßen (da zwei oder drei Leute die Pointe vielleicht noch nicht kennen, will ich sie hier verschweigen). Ein Radioreporter berichtet über die neusten Ereignisse und schaltet dabei immer wieder direkt zu einem Wissenschaftler der Expedition, dessen Worte per Live-Schaltung übertragen werden. Der Sound der Übertragung ist naturgemäß ohnehin schlecht und der berichtende Wissenschaftler muss auch noch gegen den Sturm anschreien. Den Reporter habe ich ja noch verstanden, aber was der Wissenschaftler von sich gab, blieb mir fast vollständig verborgen. Leider gibt es auch hierfür noch kein Drehbuch und es ist noch nicht einmal angekündigt. Ich hoffe, sie werden trotzdem eins online stellen, dann werde ich es erneut versuchen und bestimmt eine tolle Geschichte erleben.

Ich hoffe, die HPLHS knüpft mit „Shadows Over Innsmouth“ an die Qualität von „Shadow Out of Time“ an. Ich freue mich jedenfalls schon darauf.

11. Dezember 2008

Cthulhu-Monster-Flowchart

Gespeichert unter: Cthulhu — amel @ 10:19

Eine zweite old-schoolige Cthulhu-Kuriosität: Das Monster-Flowchart. Ich erinnere mich daran, aber … Mann, das ist lange her.

10. Dezember 2008

Jeff Rients über Cthulhu

Gespeichert unter: Cthulhu — amel @ 15:33

Der umtriebige Blogger und Old-School-Fan Jeff Rients schreibt hier, wie er „Cthulhu“ spielt.

Manchmal sollten wir uns daran erinnern, dass man „Cthulhu“ auf unterschiedliche Arten spielen kann. Wie gern würde ich einen den beschriebenen Stil unterstützenden Artikel zum Beispiel in der „Cthuloiden Welten“ lesen – nur ab und zu, so zur Abwechslung.

Gerade Cthulhu-Spieler mit einer starken Meinung, wie man dieses Spiel „richtig“ spielt, sollten den Artikel unbedingt lesen. Also ich würde gern mal in so einer Runde sitzen.

8. Dezember 2008

Kurzschocker #8 – Abenteuer für Midgard

Gespeichert unter: Kurzschocker — amel @ 08:27

Schiffbruch … Ihr klammert euch an ein paar Planken und habt eigentlich schon mit eurem Leben abgeschlossen, als euch doch noch ein Schiff einsammelt und zu einem fantastischen Abenteuer verhilft,das ihr nicht so schnell vergessen werdet. Ein Geisterschiff wartet …

„Geisterschiff“ ist ein Abenteuer für Midgard. Es kann mit den Einsteigerregeln (als Download hier) gespielt werden. Nur eine winzige Änderung ist notwendig: Alle vorgefertigten Charaktere, die nicht schwimmen können, bekommen die Fertigkeit Schwimmen +5.

Nun hisst die Segel, ihr Landratten, und auf ins Abenteuer!

Weiteres über die Kurzschocker könnt ihr auf dieser Seite nachlesen!

  • Download: Kurzschocker #8: Geisterschiff (für „Midgard“) [PDF] [ZIP] [ca. 1,4 MB]

Die Kurzschocker sind ein Gemeinschaftsprojekt vom Rollenspiel-Almanach und dem Buch Eibon.

1. Dezember 2008

Download: Wushu Reloaded deutsch mit Szenarien

Gespeichert unter: freie Rollenspiele — amel @ 03:33

Wer die Kurzschocker-Seite hier im Blog beobachtet, weiß, dass von „Wushu Reloaded deutsch“ seit ein paar Tagen ein Link existiert. Ich habe das Heft jetzt aber gelesen und muss es einfach noch einmal hier erwähnen. Schon lange nicht mehr habe ich einen Rollenspieltext so genossen, wie diese Übesetzung von „Wushu Reloaded“ – schon gar nicht im reinen Hobbybereich.

Wushu sind einfache und hoch innovative Universalregeln für Action-Rollenspiele. Hier im Blog existiert auch ein Download davon. Dominik hat die frei verfügbaren „Wushu Open“-Regeln in ein hervorragendes Layout gebracht (die grandiosen Zeichnungen von Volker Konrad tun ihr Übriges). Mein Beitrag war leider gering, ich habe nur die von 8t88 und Andreas Hengse bereits übersetzten Regeln ein wenig poliert.

Auf Englisch existierte zu diesem Zeitpunkt bereits eine weitere Version des Spiels: „Wushu Reloaded“ nahm sich detailliertere Weise Regeln an. Der Regeltext war wesentlich theoretischer, aber auch für Uneingeweihte besser verständlich und vor allem auch mehr auf Szenen ausgerichtet, die keinen Kampf enthielten – dafür fehlte aber das Flair von „Wushu Open“.

Über einen Link, der hierher zum Buch Eibon führte bin ich auf eine Wiki-Seite gestoßen, auf der „Wushu Reloaded“ auf deutsch zu haben ist. Zentraler Download ist eine 72 Seiten lange PDF-Datei in schmucklosem Design (DIN A 5, große Schrift, hervorragend geeignet, um mit dem Broschürendruck von Adobe ein kleines Regelheft daraus zu machen). Es enthält die besagten Regeln, diverse von Fans entwickelte Zusatzregeln und vier „Szenarien“ (im Buch wird von „Szenarios“ gesprochen, was laut Duden, wie ich gerade feststellte, auch richtig ist, mir aber trotzdem nur schwer über die Lippen kommt).

Der Regeltext ist klar und verständlich formuliert und die Zusatzregeln gut ausgewählt. Wer unseren Download nicht versteht, sollte ihn unbedingt lesen. Das eigentliche Highlight sind aber die Szenarien, die es auch als eigenständige Downloads auf jeweils einer Doppelseite gibt (woher kommt mir das bekannt vor?). Es handelt sich um kleine Kampagnen oder Weltenbeschreibungen. Drei davon bieten einen neuen Blickwinkel auf ein altes Genre: In „Bad Mojo“ haben wir Voodoo- und andere Magie in einem von Katrina zerstörten New Orleans und okkulte Ermittler, die sich Zombies und Hexen stellen müssen. Mit „Datarchie“ bekommen wir ein ungewöhnliches Cyberpunk-Setting, in dem nicht Großkonzerne die Gegner sind, sondern die Frage stellt: Was geschieht, wenn jeder jederzeit Zugang zum weltweiten Computernetzwerk hat und durch die verfügbare Technologie zum genialen Hacker wird? In „Anathema“ kämpfen Antihelden mit Superkräften um eine menschenwürdiges Leben. „Statik“, das vierte Szenario, beschäftigt sich mit sehr ungewöhnlichem politischen Aktivismus – und Mem-Magie. Was letzteres ist, muss jeder selbst nachlesen.

Auf jeweils einer Doppelseite sind hier mehr Ideen vereinigt, als in manchem kompletten Quellenbuch. Wie gesagt: Schon lange nicht mehr habe ich mit so einer Begeisterung Rollenspielmaterial gelesen. Es ist gut geschrieben, ungewöhnlich und voller Ideen. Ich will diese Szenarien spielen – alle, und zwar jetzt. Wenn ich die E-Mail-Adresse von dem User namens Horkel gefunden hätte, der offenbar für die Texte verantwortlich ist, hätte ich ihm meine Begeisterung persönlich mitgeteilt. So hoffe ich, dass er dieses hier liest.

Wer Wushu nicht mag, kann die Szenarien auch so benutzen, muss dann aber ein anderes sehr flexibles Regelsystem finden. Und Shadowrun-Spieler, die „Datarchie“ nicht wenigstens überfliegen, sind selbst schuld.

Bloggen Sie auf WordPress.com.